Über uns – der Verlag Edition Con Fuoco

Unsere Chronik

Die Edition Con Fuoco wurde im Jahr 2000 in Gütersloh gegründet, um dem umfangreichen Schaffen von Peter Bernard Smith eine breitere Plattform zur Präsentation seiner Werke zu bieten, als dies bis dahin möglich gewesen war. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Sabine wurde der Verlag ab 2008 bis zum Tod des Verlagsgründers im Jahr 2018 als GbR geführt.

 

 

Durch eine Kooperation mit der HeBu Musikverlag GmbH, die von 2005-2009 die Exklusivauslieferung aller Blasorchesterwerke übernahm, entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit. Präsentiert wurden unsere Werke in Folge nicht nur auf der Frankfurter Musikmesse Prolight + Sound, sondern auch in Asien bei Music China sowie auf der My Music in Friedrichshafen am Bodensee. Und im musikalischen Gedankenaustausch mit dem leider viel zu früh verstorbenen Verlagsgründer Christian Buss wurde so manche kreative Idee geboren. Die enge musikalische Zusammenarbeit besteht – über das Vertragsende hinaus – bis heute.

 

Peter B. Smith und Christian Buss

Es folgte von 2013-2018 eine Kooperation mit dem Musikverlag Zimmermann, diesmal als Exklusivauslieferung aller Kammermusiktitel, durch die sich wiederum erfolgreich neue Vertriebswege erschlossen. Ein Highlight war 2014 die Uraufführung der „Italian Romance“ für Flöte, Geige und Cello bei der Frankfurter Musikmesse durch das befreundete Schneewittchen-Trio.

Das Schneewittchen-Trio auf der Frankfurter Musikmesse

Seit dem Tod von Verlagsgründer Peter Bernard Smith im Jahr 2018 führt seine Frau Sabine die Edition Con Fuoco als alleinige Inhaberin. Darüber hinaus ist ihr kreativer Geist inzwischen ebenfalls auf kompositorischen Wegen unterwegs. Ausgewählte Werke aus ihrem Schaffen für Querflöte, Klavier und Gesang werden demnächst das Repertoire der Edition Con Fuoco in eigenen Ausgaben bereichern.

In Memoriam Peter B. Smith

Es gibt Menschen, die hinterlassen, wenn ihr Erdendasein vollendet ist, riesige Fußabdrücke in dieser Welt. Zu diesen Menschen gehört Peter Bernard Smith, der am 25. Februar 2018 diese Erde für immer verlassen hat. Von der Presse in einem Nachruf als „Mr. Music“ gewürdigt, hat er in den Herzen und Seelen vieler Zuhörer  bleibende Spuren hinterlassen sowie unzählige Musiker, vom Amateur bis zum Profi, künstlerisch inspiriert und geprägt, wovon zuletzt seine drei Benefizkonzerte in den Jahren 2013-2015 zu Beginn seines neunten Lebensjahrzehnts zeugten.

Musik war von klein auf das Leben von „PB“, wie er stets ebenso liebe- wie respektvoll genannt wurde, denn bereits als Fünfjähriger entlockte der am 1. September 1933 im Londoner Ortsteil West Ealing geborene Peter Bernard Smith der Geige seine ersten Töne. In einer ab 1939 vom Krieg geprägten Welt wurde die Musik schon bald zum Mittelpunkt dieses jungen Lebens, u.a. durch zumeist fürstlich honorierte Auftritte als Solo-Knabe im Kirchenchor (eine willkommene Bereicherung des schmalen Familienbudgets) und als Mitglied der örtlichen Fife Band, einer Art Spielmannszug.

Der fünfjährige Peter Bernard

Den 15-Jährigen zog der Ruf der Musik dann – sehr zum Bekümmern v.a. seiner Mutter – aus dem heimatlichen London weit weg in die Küstenstadt Portsmouth, wo er aufgrund seiner Doppelbegabung als Geiger und Flötist vom Fleck weg als „boy“ in die Band des Royal Army Ordnance Corps aufgenommen wurde.

Dies war der  Katalysator  für ein  reich ge- und erfülltes Künstlerleben, mit dem er britische Militärmusikgeschichte schrieb, wie ich – zutiefst bewegt – bei einem Besuch der Royal Military School of Music Kneller Hall in London im Sommer 2018 feststellen konnte, wo sein Leben und Wirken omnipräsent sind und man sich seiner mit großer Ehrfurcht und Anerkennung erinnert.

1947 als stolzer Motorradbesitzer

Von Koryphäen wie Douglas A. Pope oder Jiggs Jaeger geprägt, die schnell das außergewöhnliche Talent des jungen Smith erkannten und es nach Kräften förderten, avancierte er innerhalb kürzester Zeit zum Soloflötisten, dem Vater und Mutter per Rundfunkempfänger auch im fernen London lauschen konnten. Mit der Überzeugungskraft eines Hochbegabten brachte er darüber hinaus seine ranghöheren Orchesterkollegen dazu, in ihrer freien Zeit die Ergüsse seiner inzwischen auch tonschöpferisch sprudelnden Quellen auf Herz und Nieren zu prüfen.

Nur wenige Jahre nach Kriegsende führte ihn 1950 seine erste Auslandstournee durch die Ruinenstädte eines völlig verwüsteten Deutschland – ein Erlebnis, das menschlich, aber v.a. auch musikalisch unauslöschliche Spuren hinterließ und dem jungen Flötisten erstmals die magischen Kräfte der Musik bewusst machte. Die Erfahrung, wie ein tausendköpfiges deutsches Publikum im Berliner Luna Park andächtig den Klängen einer britischen Militärkapelle lauschte und diese so lange entbehrte Seelennahrung dankbar wie ein Verdurstender in der Wüste aufsaugte, war ein Lehrstück für Völkerverständigung und prägte darüber hinaus seine Künstlerüberzeugung, dass Musik – ob komponiert oder interpretiert – über eine kunstvolle Ansammlung von Tönen hinaus eine Botschaft tragen und Herz und Seele berühren müsse.

Als Flötist in späteren Jahren bei einem
Hausmusikabend in Schwaney

Ab 1956 zum Soloflötisten bei der berühmten Band of the Coldstream Guards, einem der fünf Leibregimenter von Königin Elisabeth II., avanciert, folgten ebenso unvergessliche Tourneen durch die USA und Kanada – zu Zeiten, als das Fliegen zwar noch eine deutliche zeitaufwändigere, dafür aber weitaus komfortablere Angelegenheit war. Eine besondere Freundschaft verband ihn seither auch mit Frederick Fennell (1914-2004), gerne als „Bernstein der Blasmusik“ bezeichnet, den er während seiner USA-Tournee in den 1960er Jahren kennenlernte. Beide verband nicht zuletzt die besondere Liebe zur Marschmusik, deren Interpretation sie stets ebenso große Aufmerksamkeit schenkten wie einem anspruchsvollen sinfonischen Werk.

Peter B. Smith mit Frederick Fennell (1914-2004)

Peter Bernard Smiths musikalischer Aktionsradius reichte jedoch weit über die Militärmusik hinaus: Er war parallel ebenso als Soloflötist beim London Ballet Orchestra tätig wie als Studiomusiker (u.a. für Engagements des renommierten Musikproduzenten Tony Hatch, der z.B. Petula Clark berühmt machte) oder trat als Kammermusiker in Erscheinung. In den 1960er Jahren entstanden daneben frühe kompositorische Kleinode wie „Circus Galop“, „The Happy Hippo“ und „Westminster Cowboy“ oder preisgekrönte Märsche wie „Brigade Star“, die seinen Ruf als ernstzunehmender Tonschöpfer festigten und sich schnell großer Beliebtheit erfreuten.

Für Furore sorgte seinerzeit auch ein als „Son et Lumière“ konzipiertes Musiktheater-Event unter freiem Himmel, bei dem die historische Schlacht von Balaklava im Jahr 1854 mit Bühnenmusik aus Peter Bernard Smiths Feder nachgestellt wurde. Charakteristische Motive dieser Motive sollten in den 1990er Jahren Eingang in seine abendfüllende Oper „Arminius – Fürst der Cherusker“ finden.

Seine Militärmusiker-Laufbahn führte Peter B. Smith als Kapellmeister der Queen’s Royal Irish Hussars in den 1970er Jahren schließlich nach Paderborn, wo er sich im Sinne der Völkerverständigung so nachhaltig für die Pflege der deutsch-britischen Beziehungen einsetzte, dass Ihre Majestät, Königin Elisabeth II., ihn dafür 1974 mit dem Orden Member of the British Empire (M.B.E.) auszeichnete. Nur wenig später entschied sich der Engländer mit deutschen  Wurzeln (ein Onkel aus Hannover hörte tatsächlich auf den legendären Namen Frankenstein!), seine Zelte dauerhaft auf dem Kontinent aufzuschlagen.

Mit den Queen’s Royal Irish Hussars bei einem Auftritt in Sommersell

Auch in Deutschland erwarb sich Peter Bernard Smith schnell künstlerische Anerkennung, ob als engagierter Instrumentallehrer oder als leidenschaftlicher Dirigent. Mit dem Arion-Chor Detmold und dem von ihm gegründeten Festival-Orchester Bad Sassendorf war „Monsieur 20.000 Volt“, wie die Presse ihn einmal nannte, regelmäßig zu Gast bei WDR-Rundfunksendungen, und mit dem von ihm 1980 übernommenen Symphonischen Blasorchester (damals noch „Musikzug“) der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh setzte er inhaltliche und künstlerische Maßstäbe in der Blasmusikszene.

Immer wieder kamen dabei auch eigene Kompositionen oder Arrangements zur (Ur)-Aufführung, viele davon für besondere Anlässe geschrieben wie die „Westfälischen Lieder und Tänze“. Sein kompositorisches Œuvre umfasst mehr als 600 Werke für alle Gattungen und spiegelt – analog zu seinem Wirken als Interpret – die ganze Bandbreite der Musik wider, getreu seiner mit Louis Armstrong geteilten Überzeugung, dass es nur zwei Arten von Musik gäbe: gute und schlechte. Es komme nicht darauf an, was gespielt werde, sondern wie man es spiele.

Mit Arion-Chor und Festival-Orchester beim Konzert
in Detmold

Und so war die Zusammenarbeit mit seinen Musikern von einem stetigen Ringen um die perfekte Interpretation, was nicht selten mit deftigen Wortgewittern einherging. Doch seine Musiker haben diese ertragen und seine Arbeit getragen, aus Respekt vor der großen Leidenschaft, die sein künstlerisches Wirken kennzeichnete. Denn sie spürten, dass seine Musik ihm heilig war oder – um mit den Worten von Sting zu sprechen: „Wenn ich musiziere, ist es wie eine Art Gebet.“

Peter Bernard Smiths besondere Liebe galt dabei der Gattung „Blasorchester“, dem er – als Komponist ebenso wie als Interpret – mit nie erlöschender Leidenschaft immer wieder neue Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten entlockte. Fast ein wenig zur fixen Idee geriet dabei sein Wunsch, seine Blasorchester stets auch von ihrer sanften Seite zu präsentieren (und sie damit vom Dunst der Bierzeltmusik zu befreien), so wenig wie er andererseits etwas gegen einen kompositorisch wie interpretatorisch guten Marsch einzuwenden gehabt hätte; davon zeugen nicht zuletzt auch seine eigenen Beiträge zu diesem Genre. Und so fehlte in seinen Konzerten zwar selten diese urtypische Form der Blasmusik, noch wichtiger waren ihm aber die leisen Töne, mit denen er die Herzen und Seelen von Zuhörern und Musikern gleichermaßen berühren wollte.

Die Garde-Grenadiere Altenbeken waren ab 1982
unter „PBs“ Leitung nicht nur eine Augen-, sondern
auch eine Ohrenweide, denn er formte den ehemaligen Fanfarenzug zu einer Brass Band nach britischem (Klang-)Vorbild

Seit seiner Pensionierung im Jahr 1998 widmete sich Peter Bernard Smith wieder verstärkt seinen Kompositionen, die seit 2000 sukzessive im hauseigenen Verlag Edition Con Fuoco erscheinen. Sein Werkverzeichnis enthält mehr als 600 Titel aller Gattungen, die weltweit erfolgreich sind und auf Konzertprogrammen in Europa ebenso zu finden sind wie in Australien und den USA.

Das Dirigentenfieber und der Wunsch, Menschen mit seiner Musik zu berühren und gleichzeitig Gutes zu tun, zog Peter Bernard Smith zu Beginn seines neunten Lebensjahrzehnts noch einmal auf die Bühne zurück. Insbesondere das Benefizkonzert zu seinem 80. Geburtstag mit dem finalen „Großer Gott, wir loben dich“ wird allen, die diesen Tag miterlebt haben, unvergesslich bleiben und war an diesem Abend wirklich eine „Sprache der Engel“ (wie Thomas Carlyle dies einst ausdrückte).

Während einer Probe mit der PBS Bläserphilharmonie
im Jahr 2014

Im Jahr 2016 ehrte die Musikschule Blaubeuren-Laichingen-Schelklingen mit einem Komponistenporträt sein kreatives Schaffen. Bis zuletzt von Musik erfüllt und beseelt, gestärkt und getröstet, ließ Peter Bernard Smith am 25. Februar 2018 sein am Ende beschwerlich gewordenes Erdendasein hinter sich. Durch die Spuren, die er auf dieser Erde hinterlassen hat, wird er in jedem einzelnen von uns weiterleben.

„PB“, wir verneigen uns vor Dir in Dankbarkeit und Respekt.

Im November 2024 schloss seine Ehefrau Sabine G. Smith einen Schenkungsvertrag mit dem Musikarchiv NRW, das den gesamten künstlerischen Nachlass ihres Mannes aufnehmen wird.

(© Text: Sabine Gerlinde Smith / © Bilder: Privat & Matthias Gans, Gütersloh. Verwendung nur mit vorheriger Genehmigung des Verlages.)